Wo die Gänsebläh wachsen und der Partybus steht

Community Treff aus der Sicht der Bundeskanzlerin

„Das muss doch weh tun!“ beschwert sich die Gottheit neben mir, aber ich kann nichts dafür, jeder grün-weiße Partybus muss kräftig von mir besungen werden.

Es ist Freitag, die Sonne scheint und Apo fährt uns nach Roßmühle – soll heißen, eigentlich schiebt sie uns Zentimeter für Zentimeter durch die verschiedensten Staus, an denen die Sachsen Schuld sein müssen, denn deren Ferien sind vorbei. Da hat die Gottheit sehr damit zu tun, die Nerven zusammenzubehalten, was mich nicht daran hindert, auf diesen ordentlich herumzutanzen: „Grünweißer Partybus, SCHALALALALAAAAAA…“

Stunden später stehen führt uns das etwas penetrante tomtom – „Nehmen Sie die Ausfahrt und dann – NEHMEN SIE DIE AUSFAHRT!“ – durch die Zielgerade. Wir steigen aus und fragen uns ganz kurz, ob diese drei Wiesen die Fahrt wert waren, aber da tauchen schon die wahren Gründe für das Unternehmen aus bereits aufgebauten Zelten auf – unsere lieben VCler. Einige identifizieren und umarmen wir schnell, bei anderen geht der verhaltene Reigen los, hauptsächlich aus den Sätzen: „Wer bist du?“ und „Wie heißt du wirklich?“ bestehend. Bei dayan dauert das Spiel am längsten, denn jedes Mal, wenn ich sie nach ihren zwei Identitäten frage, fällt ihr jemand ins Wort: „Die Verrückte!“
Man hätte sich vielleicht vorher Erkennungszeichen ausmachen sollen – so wie Nealsus, unverkennbar berockt und bezopft.

Ziemlich schnell gehen wir dazu über, uns den drei wesentlichen Aspekten des Zeltens zu widmen: Zu viel essen, zu viel trinken, zu viel rauchen – dazwischen immer mal ein Nickerchen machen. Und während sich Apo noch darüber schlapp lacht, dass meine Socke das Zelt zu machen kann, sind draußen schon die ersten Grillfackeln gar.

Der Zeltplatz wird nun langsam voll und das Camp Leben wird schnell durchorganisiert. Webby bekommt ein Asketenzelt aufgebaut, Urinalgruppen bilden sich, Fress – und Saufgemeinschaften sowieso. Ich selbst schnorre mich rechts und links durch, denn hier hat eh jeder zu viel. So richtig schön wird es dann am Abend am Lagerfeuer, wo sich jeder auf seine Weise die Kante gibt. Ich präferiere sichtlich die Flasche Wein, die Chefin hat dubiose Vitamingetränke am Start und Bits…wer weiß, von welchem Geist er besessen war als er dem Hang androhte: „Wehe, es geht bergab!“ (Bei Shakespeare würden so Dramen beginnen)
Im Gegensatz zum Zimmergenossengott, der schon frühzeitig ins Regentenzelt (Gott und Bundeskanzlerin sitzen hier am Hebel) entschwunden ist, krieche ich zu einer Zeit in die Koje, zu der in diversen Klöstern schon wieder die ersten Gebete gesprochen werden.

Was macht man wohl tagsüber auf einem Zeltplatz? Erst einmal schläft man so oft und so viel wie möglich um dann am Abend wieder fit für das Feuer zu sein. Außerdem aber hält man sich mit vielen kleinen Einzelbeschäftigungen auf Trab: Man schmiedet einen Mordkomplott für die umliegenden Nachbarzelte (für den Fall das Slash Kick Würzburg fehlschlägt), man rennt auf Steilhänge um Stöcke zu suchen, man schwimmt fünf Minuten gegen den Strom, man lauscht Bayern 1 während man auf der Toilette ist und man beschmeisst sich gegenseitig mit „Gänsebläh“ (Blümchen ist ja nun auch echt ein scheißlanges Wort). Außerdem rottet man sich zusammen um Blödsinn zu quatschen und zu verzapfen, ganz so, wie es die Bundeskanzlerin gern hat. Längst schon wiegt sich die umfunktionierte Hundedecke dayans als STVC Flagge im Wind und signalisiert jedem: Wir haben sie nicht alle und wir stehen dazu. Permanent und unauswaschbar.

Mit dem Eintritt der Dämmerung sitzen wir schon wieder am Lagerfeuer, diesmal mit einem Dutzend Fackeln zuätzlich. Zu gerne würden wir nun lynchmobmäßig zu den Nachbarzelten aufbrechen, wo nun zum dritten mal ein Sänger seiner fiktiven Ansprechperson aus der Stereoanlage heraus mitteilt, sie habe doch die Haare schön. Beim darauf folgenden „Wir sind alle über vierzig“ handelt es sich um eine arge Beschönigung, denn die Kerle, die im fetten Partyzelt hausen, müssten schon andere Altersgrenzen überschritten haben und machen auch sonst den Eindruck, als wären sie von ihren Frauen (so fern vorhanden) vor die Tür gekehrt worden. Im Endeffekt lassen wir uns aber dann doch gegenseitig in Ruhe.

Derweil gehen die Marschmellows rum und Brötchen werden fachmännisch im Feuer erhitzt. Andere Dinge hingegen werden gleich verbrannt, und das ist nicht wenig. Nachdem es einen Alubehälter fast schon aus Versehen erwischt hat, kann man behaupten, dass es im Folgenden lediglich ein Versehen war, wenn etwas nicht in den Flammen landete. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass so ein Plastebecher schon niedliche Zuckungen macht, wenn er da in sich zusammenschmilzt.

Gegen Mitternacht werden die Marschmellows zu Arschmellows und eine anhaltende Meningknietis macht uns zu schaffen. Allmählich entschwinden alle wieder in Zelte, Residenzen und „Kabinen“, während draußen schon der Sonntag spazieren geht.

Dösig ist der Gesichtsausdruck, mit dem ein jeder aus seinem provisorischen Bett steigt und Paparazzi wie Nealsus halten das ganz gern mal für die Nachwelt fest. Auch die bereits vorher angelegte „Arschfoto“ – Kollektion darf man als besonderes zeitgenössisches Kunstwerk gelten lassen, dass sicher noch vielen Generationen zu denken geben wird.
Nun macht sich aber langsam die Aufbruchsstimmung breit und ein Zelt nach dem anderen fällt in sich zusammen. Zum Andenken hinterlässt die Gottheit noch einen der Zeltheringe (weil die Bundeskanzlerin zu schwach war, ihn zu entfernen) und dann ist es an der Zeit, die VC-Headquaters aufzulösen.

Fast ohne Stau und daher ziemlich fix bringt mich Gottes Wagen (der mit dem Komo-Dor auf der Motorhaube) wieder nach München zu meinem Wohnheim. Dort tüdel ich leise vor mich hin: „Blauweißes Smartie-Eis, schalalalala…“

Schön war’s, liebes Gefolge.
Die Bundeskanzlerin dankt.

3 Gedanken zu „Wo die Gänsebläh wachsen und der Partybus steht

  1. Apophis

    DAS muß einfach weh tun! Geht doch garnüscht anders!
    Nevertheless… Feines Stück Commgeschichte! *Respekt*

    Antworten

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