Kurzgeschichte: Der Baum

Dunkelheit. Kühle. Feuchtigkeit.

Sachte Strahlen der Sonne erwärmten den Boden und ein kleiner Trieb des Baumes sah zum ersten Mal das Sonnenlicht. So holte er sich mit dem Licht der Sonne und den Nährstoffen im Boden langsam genügend Kraft und wuchs und wuchs empor und wurde immer kräftiger. Eines Tages im Sommer erblickte er in der Nähe eine kleine, zarte und wunderschöne Rose. Er fand so großen Gefallen an ihr, das er gerne mit ihr etwas mehr zusammen sein wollte. Auch die Rose hatte ähnliche Gefühle und so freundeten sich beide an.

Es war eine wunderschöne Zeit.

Doch dann, eines Tages im Herbst, kam ein starkes Unwetter und keiner konnte den anderen sehen, es dauerte bis tief in die Nacht hinein. Am nächsten Tag konnte der Baum die Rose nicht mehr sehen, den ein alter Baum war zwischen ihnen hingefallen. Vergeblich versuchte er einen Weg zu ihr zu finden, doch es half nichts, da er noch zu klein war.

So wurde der Baum ganz traurig und zog all seine kleinen Blätter zurück und hatte im Winter nur einen stetigen Gedanken an die wunderschöne, reine und zarte Rose, der ihm half den Winter zu überstehen.

Der Winter war vorbei, der Frühling zog in das Land und der Baum begann wieder kleine Blätter zu tragen – doch er sah noch immer den alten Baum der inzwischen schon voller Moos und anderen kleinen Pflanzen war und konnte nicht wissen wie es der Rose ergangen war. Daher steckte er alle Kraft in seinen kleinen Stamm und wuchs immer weiter – bis er sehen musste das die Rose nicht mehr war. Dies betrübte den Baum sehr und er blieb nun lange einsam und allein.

Jahre vergingen und der Baum wurde größer und stärker, behielt aber immer einen Gedanken an die schöne Rose bei. Eines Tages kam dann ein junges Menschenkind vorbei und setzte sich auf den ersten Ast der es gerade so noch tragen konnte. Seit dem Tag an, kam das Menschenkind immer wieder zum Baum und brachte oft ein Buch mit um zu lesen und ab und zu brachte es auch ein Pferd mit, das in der Nähe Nahrung suchte solang das Mädchen auf dem Ast saß und ließ – oder auch in der Nacht die Sterne beobachtete. Die Jahre vergingen und der Baum und das Mädchen wurden älter und größer, das Mädchen kam nun fast jeden Tag vobei und pflegte im Sommer den Baum, beziehungsweise gab ihm genügend Wasser damit er weiter wachsen konnte. Es entstand fast eine kleine Freundschaft zwischen ihnen und der Baum freute sich immer, wenn das Mädchen wieder kam.

Eines Tages kam das Mädchen nicht mehr ganz allein zum Baum, sondern brachte noch einen Jungen mit. Beide ritzen dann ein Herz mit einem scharfen Messer in die Rinde des Baumes, was ihm umso mehr schmerzte, da das Mädchen nun nicht mehr wieder kam und sich nur noch für den Jungen interessierte.

Wieder vergingen Jahre und der Baum war wieder lange Zeit allein. Doch dann, eines Tages – er traute kaum seinen Sinnen – da rannte wieder das kleine Mädchen zu ihm und setze sich auf seinen untersten Ast. Später folgte ihm eine ältere Frau und der Baum erkannte in ihr sein kleines Mädchen von früher wieder. Ab da hatte der Baum wieder Freude und wartete immer wieder auf das Mädchen und seine Mutter.

Die Zeit verging und alle wurden sie älter, der Baum spürte langsam, das er nicht mehr so kraftvoll war wie noch zu alten Zeiten. Auch die Frau bekam schon graue Haare und aus dem kleinen Mädchen war eine Frau geworden. So kam es eines Tages, das nur noch die junge Frau zum Baum kam und einen Kranz aus Blumen an seinen Stamm legte. Der Baum war nun auch schon alt so kam es, das nach einen Unwetter wie dem, das ihn von seiner Rose getrennt hatte, der Baum umfiel und alle Wurzeln aus dem Boden gerissen wurden. Der Baum war nun nicht mehr und das Leben ging weiter mit den Nährstoffen die der verwitternde Baum gab. Nicht weit entfernt begann ein neuer Baum seinen Trieb aus der Erde zu stecken.

5 Gedanken zu „Kurzgeschichte: Der Baum

  1. OliverCrazyhairs

    Eine wirklich schöne Geschichte, auch wenn das Ende etwas traurig
    ist, aber so ist das Leben, der eine geht, ein neuer kommt.

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  2. Haiku

    So eine Geschichte passt nun irgendwie gar nicht ins Internet. Das
    meine ich wirklich in positiver Hinsicht. Sehr schön, da kann man
    mal kurz innehalten. Danke

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