Komivo on Tour – Bamberg was my first love…

…and it will be my last. Die letzte Reise trete ich in die Stadt an, die mir zwei Jahre lang eine schöne Heimat war. Dort will ich mich mit meiner besten Freundin treffen, denn sie hat damals noch mit mir studiert. Zusammen wollen wir in der Vergangenheit schwelgen, die alten Plätze aufsuchen und in unsere ehemalige Lieblingsdisco gehen. Anschließend pennen wir in ihrem Golf.

Um 9:43 sitze ich im Zug und freu mich fast tot. Die Bilder im meinen Kopf erzählen mir die kleinen Geschichten von damals noch einmal: Wie wir Baywatch am Baggersee nachdrehten, zu Ostern Shokoladenriegel verteilten, betrunken Fahrräder am Bahnhof klauten (aber auch wieder zurückstellten, keine Angst)…
Mir fällt wieder ein, wie sehr ich die 4 Stunden Fahrt gehasst habe, wenn ich meine Eltern besuchen musste. Aber mittlerweile bin ich ja Zugprofi und habe genügend Beschäftigung. Außerdem ist es immer wieder schön, den Nachbarn zu lauschen. Zum Beispiel sitzt da nicht unweit von mir ein Experte für Alles – manch einer kennt den Menschenschlag vielleicht. Gerade regt er sich mit einer emsigen Ja-Sagerin über die sich nicht integrierenden Türken auf. Wenn die wenigstens Deutsch sprechen würden! Aber nein! Da mischt sich allerdings ein Herr von nebenan ein. Er sei auch Türke, meint er akzentfrei, und er habe doch die Feststellung gemacht, dass manche deutschen Kinder schwerer zum Hochdeutschen finden würden, als seine Kinder. Außerdem werde recht schnell jemand als Türke bezeichnet, der eigentlich ein Kurde ist. Die meisten Deutschen wissen ja nicht einmal, das es diesen Unterschied gibt, das nur so am Rande.
Einen Moment ist Ruhe und ich lache leise in mich hinein. Aber der Alleswisser fängt sich schnell wieder und beginnt mit dem Widersacher ein diplomatisches Gespräch. Immerhin.

Derweil kommt zum fünften Mal dieselbe Durchsage und auch ich möchte dringlichst darauf aufmerksam machen, dass das Bayernticket nur mit Unterschrift und für die zweite Klasse gilt. Die erste Klasse ist nur für Reisende mit Erste Klasse Ticket. Wer ein Ticket der zweiten Klasse hat und sich in der ersten Klasse befindet, wäre doch herzlichst dazu aufgefordert, diese zu verlassen. Außerdem ist die Verspätung des Zuges um 6 Minuten zu beachten und zu verzeihen. Man wiederholt: „Achtung! Das Bayernticket…“
Ich werde wahnsinnig, wenn das so weitergeht.

Um 13.45 bin ich in Bamberg und die Golfinatorin kommt fünf Minuten nach mir an. Wir haben uns seit einer halben Ewigkeiten nicht gesehen, aber es ist alles wie immer. Bald haben wir neue Running-Gags gefunden und ziehen lachend die geplanten Kreise. Erste Station ist der Chinese, nicht weit vom Bahnhof entfernt. Er ist der Beste und danach sind wir pappsatt. Jetzt werden alle anderen Orte abgeklappert. Es geht zum Dom, in den Rosengarten, an die Universität, zum Baggersee, in die Disco. Wir rauchen viel und reden noch mehr, bald schon werden wir wehmütig. Die zwei Jahre hier waren schon etwas ganz Besonderes – mir kommt es so vor, als wäre in Bamberg immer nur Sommer gewesen.

Etwas außerhalb der Stadt schlafen wir volltrunken im Auto ein, wie in guten alten Zeiten.
Nach der Heimreise am nächsten Tag werfe ich mein Ferienticket fast in den Müll, doch dann entscheide ich mich doch dafür, es in mein Album zu kleben. Dann wird mir immer wieder einfallen, wieviel Spaß ich damit hatte.

Und nun noch ein kleiner Schluss – Appell: Steigt dann und wann in den Zug und kurvt ein bisschen rum in der Nachbarschaft – es gibt sicher viele Städte in der Region, in denen ihr noch nicht gewesen seid und sie sind bestimmt schöner, als ihr glaubt.

Eure Komo

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