Komivo on Tour – 1. Beinahe Chiemsee

Um in den Semesterferien mal etwas mehr unternehmen zu können, habe ich mir das Ferienticket der Bahn gekauft. Dies ist mein Reisetagebuch.

Das Ticket ist noch ganz frisch und zusammen mit meiner guten Freundin Lara (Name geändert) habe ich eine Liste von Zielen ausgearbeitet. Wir wollen so viele wie möglich mit dem Zug bereisen und am 17. August soll es mit Prien am Chiemsee losgehen.

„Wir treffen uns um 11 Uhr am Ostbahnhof!“ erzähle ich zum wiederholten Mal, damit auch nichts schief geht. Lara nickt und geht von dannen. Am nächsten Morgen stehe ich früh auf um alles fertig zu machen. 11 Uhr Ostbahnhof, ich bin pünktlich wie ein Maurer. Aber Lara ist es nicht. Meine Augen grasen die Gleise ab und trotzdem, die rotschopfige Bohnenstange ist nirgends zu sehen. Just in dem Moment erreicht mich eine SMS: „Wir stehen an Gleis 11, wo bist du?“ Gleis 11? Es ist nicht nur das falsche Gleis, nein, es gibt auch gar kein Gleis 11. Schnell rufe ich sie an.

„Sag mal, du weißt schon, das wir uns am OSTBAHNHOF treffen?“

Nein, sie weiß es nicht und steht mit Martin und Dennis (Freunde von uns) am Hauptbahnhof herum. Eine kleine Welle von milden Beleidigungen später setze ich mich in die S Bahn zum Hauptbahnhof.

„Also, wir suchen uns einfach ein anderes Ziel aus.“ beschließen wir, nachdem ich dort angekommen bin. Gemeinsam studieren wir die Anzeigen und einigen uns schließlich auf den Ammersee. Da kann man mit der S Bahn hinfahren. Gerade meine ich, das wenigstens jetzt nichts mehr passieren kann, da stellt Lara fest: „Ich hab meine Fahrkarte gar nicht dabei. Also, ich mein, mir fehlt der ganze Geldbeutel! Ich bin grad schwarz gefahren!“ Ich bin fassungslos. „Sag mal Kind, ist das da ein Kopf auf deinem Hals?“ Sauer sein bringt gerade nicht viel. Die Jungs werden allein an den See geschickt – wir versprechen, nachzukommen. Wir Mädels fahren zurück in unser Wohnheim und holen den Geldbeutel. Lara muss natürlich schwarz fahren, aber die alte Schusselliese hat natürlich wieder Glück und wird nicht kontrolliert. Allerdings fahren wir eine Station zu weit, und das gleich zweimal. Wäre wenig tragisch, wenn nicht gerade an alen Gleisen gebaut werden würde. So kommen die Bahnen mit enormer Verspätung und erst am Nachmittag erreichen wir Herrsching am Ammersee. Ich hätte jedes Recht, wütend zu sein, aber unterwegs lästern Lara und ich so herrlich wie schon lange nicht mehr und das sorgt für gute Laune.

Als wir in Herrsching ankommen, sind die Jungs schon wieder heimgefahren, was man ihnen nicht verdenken kann. Da aber die Sonne scheint und der See so herrlich funkelt, bleiben wir da und suchen uns etwas abseits gelegen ein Stückchen Ufer aus. Lara lässt es sich in der Sonne gut gehen und ich versuche, einen nahegelegenen Steg in mein Notizheft zu zeichnen. Das Resultat ist ernüchternd und ich gehe schwimmen. Später bin auch ich in der Sonne. Wir liegen mit unseren Badetüchern so nah am Wasser, das es dann und wann herankommt um uns am Fuß zu kitzeln.

Lara hat eine schwarze Sonnenbrille aufgezogen, mit der sie aussieht wie eine Verschmelzung von Thelma und Louise. Begeistert erzählt sie mir von der Mondfinsternis, die in der vorangegangenen Nacht stattgefunden hat, von der ich aber gar nichts mitbekommen habe. Allerdings macht mich ihre Erklärung: „Eine Mondfinsternis. Wenn sich die Sonne vor den Mond schiebt.“ auch etwas stutzig, denn von plötzlichem Sonnenschein mitten in der Nacht habe ich wirklich noch nie etwas gehört. Ich lache sie und ihren Verhaspler hämisch aus und sie nimmt es mir nicht lange übel.

Auch beim späteren Wolkenschauen ist Lara mal wieder unschlagbar: „Die Wolke da schaut aus wie ein Hund. Voll wie ein Hund! Na, oder ein Rind.“

Am abend packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns auf dem Heimweg. Schöner wäre es am Chiemsee auch nicht geworden, denke ich mir.

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