James Bond – nicht neu, aber mit Perwoll gewaschen

Da sitze ich nun, im Kino meines Vertrauens an der Bar, Tickets für den neuen Bond-Film in der Hand haltend. Spontan habe ich mich mit meinem Bruder aufgemacht, um mir diesen Film in der Mitternachtspremiere anzusehen und ich bin gespannt: Wird Daniel Craig das schmierige Bild, dass Pierce Brosnan in meinem Kopf hinterlassen hat, ausradieren können? Ist der neue, alte Bond endlich wieder ein guter Bond? In der Halle neben der Kino-Kneipe findet zur Einstimmung auf das „Casino Royal“ – Erlebnis ein Pokertunier statt. Zwar sind mir die Regeln der Texas-Spielart nicht ganz geläufig, dennoch ist es uns ein Leichtes, die Deppen von den Profis zu unterscheiden (zumal Letztere nicht betrunken sind). Es entbehrt nicht einer gewissen Faszination, wie Spielchips und Karten lässig verteilt, gespielt und wieder eingezogen werden. Doch dann ist es so weit, Kino 1 öffnet seine Tore für eine Handvoll (Dollar?) Mitternachts-Cineasten. Das Warten auf den Film amüsiert mich, denn unpassender Weise läuft der „Weiße Massai“-Score: Afrikanischer Stammesgesang dröhnt in unseren Ohren. Als dann die Werbung beginnt und nicht enden will, fragen wir uns bereits, ob wir das „Frühstück im Kino“ – Angebot tatsächlich bald nutzen werden, aber schon beginnt der Film – mit Tonstörungen. Wir sind ein wenig entnervt, denn hochgeschraubte Eintrittspreise haben uns das Verständnis für solche Pannen geraubt. Irgendwann bringt es doch noch jemand hin, den Ton zu stabilisieren und endlich kann man sich in den Film fallen lassen – und der ist gut. Gleich zu Anfang gelingt dem neuen Bond eben nicht alles auf Anhieb, auch hat er nicht diese penetrante „Ich kämm‘ mir nach jedem Take die Haare“ – Ausstrahlung seiner Vorgänger. Auch sein weibliches Gegenüber Vesper Lynd (Eva Green – endlich ein Bondgirl, dass mehr Tassen im Schrank hat als eine Barbie-Puppe) und natürlich die von mir verehrte Judi Dench in ihrer Rolle als „M“ geben dem Film Substanz. Allerdings wird es dann und wann ganz schön rührselig – was meinen Hintermann zu dem ungehaltenen Kommentar: „Joa, wird des jetzt a Liebesfilm?“ bewegt. Dennoch hinterläßt die Geschichte Eindruck – denn ich komme schwer ins Grübeln, ob zuvor schon mal ein Bond Film so viel Subtext-Information über den „Helden“ enthielt.

Fazit: Bond ist immer noch Bond, trinkt immer noch Martini, fährt nach wie vor schöne Autos und steht nach wie vor auf hübsche Mädels – nur scheint er nun mehr Tiefgang zu haben. Die Actionszenen können sich sehen lassen, der Witz verfehlt seine Wirkung nicht und alle Charaktere, gut wie böse, werden so überzeugend gut gespielt, dass es eine Freude ist. Lediglich über die so genannte „Herzscheiße“ könnte man sich streiten.

Beim Verlassen des Kinos meint mein Bruder: „S‘ war der beste Bond, den ich je gesehen habe!“ und ich, die ich noch vor wenigen Tagen dagegen argumentiert hätte, stimme ihm zu.

6 Gedanken zu „James Bond – nicht neu, aber mit Perwoll gewaschen

  1. Wurmi

    Hallo! Also ich war vom neuen Bond mehr als enttäuscht! So viele
    klassische Elemente haben mir gefehlt… Deine Abneigung gegen über
    Pierce Brosnan kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn ich halte
    ihn für einen der besten Bond-Darsteller.

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  2. Komivo Beitragsautor

    Hey, Wurmi! Das ist natürlich Geschmacks-Sache und jeder hat seinen
    Lieblingsbond. Pierce Brosnan fand ich am Anfang seiner Karriere
    gut (Remington Steele), aber später nur noch platt und stereotyp.
    Ich habe es begrüßt, dass einiges der „Klassik“ rausgeflogen ist,
    aber so ist das nun mal – was die einen lieben, hassen die anderen.
    Danke für ein ehrliches Kontra!

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  3. foxy

    Nun habe ich den film immer noch nicht gesehen, aber nach dem
    Eindruck wirds Zeit das er auf DVD erscheint. Dann muss ich den
    unbedingt haben.

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