Archiv für den Monat: Dezember 2011

Musik und Mitternachtssonne 2011 (4)

25.07.2011 – Bergen

Sonnenaufgang: 5.03 Uhr
Sonnenuntergang: 22.32 Uhr

Am diesem Morgen erreichten wir bei regnerischem, kühlen Wetter gegen 8 Uhr Bergen. Die zweitgrößte Stadt Norwegens gilt als die regenreichste Großstadt Europa, was wir auch zu spüren bekamen.
Nach dem Frühstück machten Jens und ich uns bald auf den Weg Richtung Innenstadt (vorbei an einem deutschen Radfahrer komplett ohne Arsch^^). Unseren ersten Halt legten wir bei der Festung Bergenhus ein bevor wir das berühmte Hafenviertel „Bryggen“, das seit 1979 Weltkulturerbe der UNESCO ist, erreichten.

Das Wetter war (wie erwartet) regnerisch bei ca. 16°C. Davon ließen wir uns aber nicht abhalten und spazierten gut gelaunt durch die Stadt, wo uns v.a. die vielen Kirchen (u.a. kamen wir an der Domkirche St. Olav vorbei) und Fresstempel auffielen. Also verhungern muss man in Bergen definitiv nicht! Durch Zufall entdeckten wir auch das „Immigration Office“ (ich war nicht drinnen, noch nicht…^^) und machten Bekanntschaft mit dem „Filzigen mit nur einem Schuh“. Vorbei am Stadtpark führte uns unser Weg dann zum Fischmarkt, wo mir fast die Augen aus dem Kopf fielen beim Anblick der vielen Köstlichkeiten. Um 12 Uhr fand die offizielle Schweigeminute für die Opfer der Anschläge von Oslo und Utøya statt. Ein sehr ergreifender Moment wie von einer Sekunde zur nächsten Totenstille auf dem zuvor so quirligen Markt herrschte.
Auf dem Rückweg zum Schiff inspizierten wir die alten Holzhäuser des ehemaligen Hansekontor Bryggen noch mal etwas näher (nachdem wir entdeckt hatten, dass man zwischen den Häusern durch gehen kann). Wirklich beeindruckend.

Und mein obligatorischer Besuch eines Souvenirshops durfte natürlich auch nicht fehlen.
Wieder an Bord füllte ich zuerst einmal meinen Magen und machte dann einen Verdauungsrundgang über die oberen Decks, von wo aus ich die „Black Watch“ begutachtete, die neben uns im Hafen lag. Ich entdeckte auch ein Hurtigruten-Schiff, leider war es zu weit weg, um den Namen zu erkennen. Das Wetter hatte sich leider auch nicht sonderlich gebessert und es regnete immer noch leicht, daher beschloss ich, den Rest des Tages mit Lesen am Pool zu verbringen.
Am Abend stand das Gala-Abschiedsabendessen auf dem Programm, was mal wieder ein bisschen aufwendigeres Styling für uns bedeutete. Ich hatte mich bei der Kleiderauswahl für mein Dirndl entschieden und erntete mal wieder sehr seltsame Blicke unserer karierten Freunde. Während des Abendessens setzte die Costa Pacifica Kurs auf Kiel.
Nachdem wir unsere Mägen mit allerhand Köstlichkeiten gefüllt hatten (es gab u.a. Gratinierte Jakobsmuscheln) plünderten wir ein weiteres Mal die Bordgeschäfte. Gerald erstand eine schicke Pelzmütze (Gerüchte, er hätte diese einem toten Russen geklaut, sind definitv falsch!), mit der wir am Anschluss in der Mittelbar allerhand Späße trieben.
Irgendwie hatte ich dann plötzlich keine Lust mehr auf Party und beschloss, alleine ein bisschen spazieren zu gehen. Ich schlenderte über die oberen Decks, hörte dabei Musik und landete letztendlich an der Poolbar, wo ich mir einen Tequila Sunrise gönnte. Das Grinsen des Barkeepers irritierte mich am Anfang etwas, ich bekam aber schnell eine Erklärung dafür als er mich fragte, ob ich denn im vergangenen Jahr auf der Costa Fortuna in der Karibik gewesen sei und meine Abende an der Poolbar verbracht hätte. Der Kerl kannte mich tatsächlich noch von unserer TA und ich schenkte ihm mein nettestes Lächeln als er mir großzügig eine weitere Ladung Tequila in mein Glas kippte. Diese Begegnung verbesserte meine Laune immens und so gesellte ich mich im Anschluss wieder zu meinen Männern in die Mittelbar. Um 23 Uhr ging es wieder Richtung Pooldeck, wo am zentralen Pool eine „Gastronomische Überraschung“ auf uns wartete. Das Buffet mit den zahlreichen Früchte- und Brot-Kunstwerken war wirklich sehenswert und der Ansturm war gigantisch. Okay, letzteres war ein Scherz – die Mumien waren um diese Zeit natürlich schon im Bett.


Nach einem Cocktail an der Poolbar (der Kerl grinste immer noch von einem Ohr zum anderen^^) endete der Abend, wo er enden musste: in der Disko.
(3,5)

26.07.2011 Seetag

Sonnenaufgang: 5.21 Uhr
Sonnenuntergang: 21.33 Uhr

An diesem Morgen hatte ich zunächst so gar keine Lust aufzustehen und meine Laune war nicht gerade die beste. Ich wollte es kaum glauben, dass sich diese traumhafte Kreuzfahrt bereits wieder dem Ende näherte und wir uns langsam aber sicher wieder dem Kieler Hafen näherten. Die Infoveranstaltung mit wichtigen Informationen zur Ausschiffung um 9 Uhr schwänzte ich wieder einmal und ging lieber ins Buffetrestaurant zum Frühstücken. Da wir den ganzen Tag auf See verbringen würden sah unser persönliches Tagesprogramm wie folgt aus: essen, lesen, Musik hören, schwimmen, im Whirlpool abhängen und dabei aufs Meer starren, Schiffe beobachten (und es gab verdammt viele zu sehen), rumliegen, lästern, essen, hatten wir im Whirlpool liegen schon??, essen… Ich liebe Seetage! Schade, dass es der letzte sein würde. Ein letzter Rundgang durch das Schiff, um Fotos zu machen durfte natürlich auch nicht fehlen. Leider war es dann aber irgendwann Zeit, auf die Kabine zurückzukehren und die Koffer zu packen. Ich hasse diese Momente!!!!
Um 17 Uhr fand eine offizielle Schweigeminute an Bord für die Opfer der Anschläge von Oslo und Utøya statt, was zuvor in zig Sprachen angekündigt wurde. Ich selbst war in diesem Moment auf dem Weg zu meinen Männern in die Mittelbar und ich war entsetzt über das Verhalten einiger Passagiere. Während die Kellner und der Großteil der Gäste in der Schokobar, wo ich mich befand, der Opfer gedachten oder zumindest schwiegen, zockten im Casino die Leute munter weiter an den Daddelautomaten. Selbst wenn einem die (am Ende) 77 getöteten Menschen am Arsch vorbei gehen, so kann man doch wohl wirklich für eine verdammte Minute aus Respekt inne halten!! Dreckspack!!!
Ziemlich angefressen musste ich mir in der Mittelbar dann erst einmal zur Beruhigung einen Cocktail rein ziehen.
Es folgte das letzte Abendmahl und der Abschied von unseren Tischnachbarn, der mir noch nie so leicht gefallen ist. 2010 hatte ich am letzten Abend Pipi in den Augen als ich goodbye zu Sara und Joe sagen musste. Und dieses Mal wusste ich nicht einmal die Namen aller Leute, die mit uns am Tisch gesessen hatten (von Johannes mal abgesehen^^). Natürlich wurden auch die obligatorischen Fotos mit den Kellner gemacht. (Auch wenn der Service am Tisch oft zu wünschen übrig lies, unserem Jacob will ich da keinen Vorwurf machen, der gab wirklich sein Bestes, nur war er die meiste Zeit alleine und musste 35 Personen bedienen, da musste zwangsläufig immer jemand warten.)
Nach dem Essen gingen wir zunächst in die Mittelbar und bewunderten von Deck 3 aus den gigantischen Sonnenuntergang, bevor wir uns auf große Abschieds-Foto-Tour begaben.

In der Schokobar trafen wir auf das Animationsteam und v.a. Jens war begeistert von den Kostümen. (Gerald und ich kennen derartige Aktionen ja schon von früheren Kreuzfahrten und haben sie auf der Pacifica auch irgendwie vermisst.)

Und auch auf eine Frage, die mich schon seit dem ersten Abend gequält hatte, fand ich letztendlich auch eine Antwort: Der Sänger in der Schokobar war tatsächlich DER Sasha, der uns allabendlich auf unserer allerersten Fahrt mit der Costa Mediterranea 2006 musikalisch erfreut hatte.
Mit einem lachendem und einem weinenden Auge verabschiedeten wir uns auf unserem Rundgang durch unsere Lieblingsbars von den Künstlern und Kellnern (Wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal wieder…) und landeten letztendlich, wie sollte es auch anders sein, in der Disko.
(3)

27.07.2011 – Kiel

Um ca. 8 Uhr legte die Costa Pacifica in Kiel an und wir machten uns zunächst mitsamt unseres Handgepäcks auf den Weg in die Mittelbar. (Die Koffer waren ja bereits in der Nacht abgeholt worden.) Meine „post-cruise-depression“ musste ich dieses Mal entgegen meiner Gewohnheiten mit einem letzten Weißbier an der Mittelbar bekämpfen, was aber leider nicht so wirklich gelang. Allerdings bekam ich dort von einer netten Mitreisenden (die ich zuvor beruhigt hatte, dass der Bus mit Sicherheit auf uns waren würde) den Tipp mit der speziellen Ausschiffung für Behinderte. Nach einem kurzen Gespräch mit der Dame vom Geästeservice war klar, wir würden dieses Mal nicht in irgendeiner Bar auf die Ausschiffung waren, sondern in einem speziellen Bereich im Atrium. YEAH!
Gemeinsam mit Jens begaben wir uns dann an den zentralen Pool, um zu „frühstücken“ und uns die Zeit bis zur Ausschiffung mit allerhand Unfug zu vertreiben. Da man bis zum Verlassen des Schiffes mit der CostaCard zahlen konnte gönnten wir uns noch den ein oder anderen Cocktail (Mathilda rulez!) und machten massig Fotos u.a. von der Color Magic, gemeinsam mit unsrem neuen kommunistischen Freund aus Vietnam und ein paar anderen Crewmitgliedern (die meine Befürchtungen bzgl. des Mumienaufkommens bei unserer nächsten Fahrt zerstreuten). Das Wetter war (im Gegensatz zu meiner Laune) einfach traumhaft und wir konnten dank offenem Dach die Sonne am Pool genießen.


Um 10.30 Uhr war es für Gerald und mich soweit und wir mussten (unter Protest und ohne Rollstuhl) die Costa Pacifica verlassen.

„No I don’t wanna go
I don’t wanna go“

Unsere Koffer und auch der Bus waren schnell gefunden, es fehlte eigentlich nur noch Jens, der eine Viertelstunde nach uns ausschiffen sollte. Und wir warteten und warteten und warteten. Sein Koffer wurde irgendwann von einer netten Costa-Mitarbeiterin gebracht, die das arme, einsame Teil gefunden hatte und irgendwann kam dann auch Jens und wir konnten Richtung Heimat aufbrechen.
Im Bus wartete dann eine unangenehme Überraschung auf mich. Die nette Mitarbeiterin von Schmetterling-Reisen hatte uns zwar tolle Plätze (oben ganz vorne, Jens hinter uns) zugeteilt, leider saß aber die seltsame Tante, die mir schon vor der Abfahrt in München auf den Zeiger gegangen war, direkt neben mir. Und sie nervte die ganze Fahrt über. Angefangen von ihrer Motzerei über die „Fäkalsprache“ von Jens bis hin zu ihren ständigen Telefonaten. Halloooooo?!?!?!?! Man muss seinem Liebsten doch echt NICHT stündlich die verbleibenden Kilometer bis zu Hause durchgeben, oder?? Selbst ihre Mitreisende war am Ende ziemlich genervt und war wohl auch ebenso froh wie wir als die „Geliftete“ (Danke an Jens für die Kommentare diesbezüglich^^) von „Dietaaaa“ in Feucht in Empfang genommen wurde. Der Rest der Fahrt verlief dann ruhig und stressfrei, was meine Laune aber auch nicht wirklich verbesserte. Verdammte „post-cruise-depression“!
Am Busbahnhof in München/Fröttmaing wartete dann auch schon unser Airport Shuttle Rosenmeier auf uns und letztendlich hatte uns dann auch irgendwann (ohne den obligatorischen Halt beim Amerikaner) unsere Heimat Regensburg wieder.

Am Ende meines Berichts möchte ich mich bei Kapitän Ciacomo Longo und der gesamten Crew der Costa Pacifica für diese wunderschöne Kreuzfahrt bedanken.

Mein Dank gilt auch meiner Mutter fürs Wohnungshüten, dem Reisebüro Aschenbrenner im Alex-Center/Regensburg (hier buchen wir immer wieder gerne) und allen Leuten, die uns ermutigt haben, diese Reise zu machen.

Dies war unsere mit Abstand teuerste Kreuzfahrt, aber sie war jeden einzelnen Cent wert. Die Fjorde, das Nordkap, die einzelnen Orte, die wir besucht haben – TRAUMHAFT! Und jederzeit gerne wieder!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Und ihr wisst ja, falls es die Götter gut mit uns meinen, werde ich mich in Kürze wieder melden… wenn wir das Christkind im westlichen Mittelmeer gefunden haben!

Und nicht vergessen: „A dream is all we need!“

Songzitate: Sunrise Avenue

© Sabine Lehner 2011

Musik und Mitternachtssonne 2011 (3)

23.07.2011 – Trondheim

Sonnenaufgang: 3.54 Uhr
Sonnenuntergang: 22.47 Uhr

Wir hatten uns dazu entschlossen, mal wieder etwas länger zu schlafen und verzichteten auf das Frühstück. Das Einlaufen in den Hafen von Trondheim gegen 11 Uhr sah ich mir von Deck 10 aus an und entdeckte dabei die AIDAblu und die Trollfjord der Hurtigruten ASA.
Zum Mittagessen gab es u.a. Muscheln und ich musste feststellen, dass unsere deutschen Mumien da nicht so besonders drauf stehen. Ich konnte natürlich nicht widerstehen (wie immer^^) und schaufelte die Teile maßlos in mich hinein (als „Beilage“ gab es bei mir Lasagne^^).
Irgendwann nach 12 Uhr bequemten wir uns dann auch endlich von Bord, um ein wenig durch das Stadtzentrum zu bummeln, das man vom Hafen aus zu Fuß bequem und schnell erreichen kann. Die Stimmung insgesamt war aufgrund der Anschläge von Oslo und Utøya sehr bedrückt und an allen öffentlichen Gebäuden wehten die Fahnen auf Halbmast. Selbst das Wetter schien zu trauern und es regnete ab und zu ein paar Tropfen bei ca. 13°C. Unsere Ziele in Trondheim waren zum einen der Nidarosdom, eine der bedeutendsten Kirchen Norwegens, sowie die alten Speicherhäuser am Nidelva. Der Dom ist ein wirklich imposantes Bauwerk mit einer Länge von 102 m und einer Breite von 50 m. An der Gewölbespitze ist er 21 m hoch. Besonders fasziniert war ich von der Westfassade in Stil der Hochgotik, die ich eher in England als hier im hohen Norden erwartet hätte. Ins Innere konnten wir leider aufgrund einer Hochzeit keinen Blick werfen.


Auch von den alten Speicherhäusern und der Holzbrücke „Gamle bybro“ war ich restlos begeistert.

Gemütlich spazierten wir dann wieder zurück zum Hafen (Gerald musste durch wirklich jede Pfütze laufen), wo ich noch schnell den Souvenirshop begutachten und einen Troll befummeln musste.
Wieder an Bord war Geralds Bedürfnis, seinen Darm zu entleeren, so groß, dass er gleich mit Jens in dessen Kabine gehen musste (und der deutschen Sprache auch nicht mehr mächtig war^^). Den Rest des Nachmittags war dann hauptsächlich Entspannen in der Kabine und auf dem Balkon angesagt.
Für diesen Abend hatten Gerald und ich einen Tisch im „Blue Moon“ für 19.30 Uhr reserviert. Eigentlich ist für dieses Restaurant ein Aufpreis fällig, wir waren allerdings vom CostaClub eingeladen und mussten „lediglich“ die Getränke bezahlen. Das Ambiente im „Blue Moon“ ist kein Vergleich zu den anderen Restaurants, alles ist etwas exklusiver – angefangen bei der Deko, über den Piano-Spieler bis hin zum Service. Es waren nur wenige Gäste außer uns anwesend und wir bekamen einen wirklich tollen Tisch am Fenster, von wo aus wir während des Essens die Passage durch den Fjord von Trondheimsleia genießen konnten. Es ist einfach gigantisch, mit dem Schiff mitten durch die Berge zu fahren. Da kann man noch so viele Berichte gesehen oder gelesen haben – wenn man es mit eigenen Augen sieht ist man erst mal platt!
Ich hatte an diesem Abend endgültig genug von Deutsch und den Deutschen, so dass ich auf das „Guten Abend“ bei der Begrüßung im Blue Moon grinsend mit „Good evening“ antwortete und prompt kam dann auch als wir am Tisch Platz genommen hatten die Frage, ob ich die Speisekarte denn lieber auf Deutsch oder auf Englisch hätte. Hab ich denn ein kariertes Hemd an oder was?? In English please! Höhöhöhöhö! Und nun zum Essen selber: Als Vorspeise gab es für Gerald Riesengarnelencocktail und für mich Büffelmozzarella mit (etwas blassen, geschmacksneutralen) Tomaten. Der Hauptgang war ein wahrer Traum von der toten Kuh – Porterhouse-Steak für 2 Personen, direkt vor unseren Augen zerteilt und medium wie gewünscht. Da gab es rein gar nichts zu bemängeln, genauso wie bei der Nachspeise – Tiramisu für Gerald und Schokoravioli für mich (kein Platz für fettes Tiramisu neben dem Rind in meinem Magen^^). Dazu gönnten wir uns eine für meine Begriffe sündhaft teure Flasche Rotwein, die perfekt mit dem Steak harmonierte. Hat der Gatte echt gut ausgewählt! Und überhaupt war ich an diesem Abend sehr zufrieden mit meinem Mann, nicht nur, dass er das perfekte Tröpfchen für unser Mahl ausgewählt hatte, zudem sah er auch noch richtig scharf aus, was dazu führte, dass ich ihm permanent auf den Arsch glotzen musste und den halben Abend spitz wie Nachbars Lumpi war.
Nach dem Essen machten wir uns auf die Suche nach Jens und fanden ihn schließlich in der Arschbar. Der übermäßige Weinkonsum beim Abendessen ohne uns hatte ihm merklich zugesetzt. War aber auch kein Problem, wir hatten wie immer unseren Spaß! An diesem Abend lernten wir auch den netten Ungarn kennen, der mir v.a. durch seine Größe und seine blonden Haare auffiel. Wahrscheinlich war er gar kein Ungar, sondern ein Norweger. (*kicher*) Und letztendlich endete der Abend – wie sollte es auch anders sein – in der Disko an der Stange. 
(3)

24.07.2011 – Åndalsnes

Sonnenaufgang: 4.32 Uhr
Sonnenuntergang: 22.48 Uhr

Unser heutiges Ziel, das wir gegen 8 Uhr morgens erreichten, war die „Stadt“ Åndalsnes, die in einem Seitenarm des Romsdalsfjord am Ufer des für seine Lachse berühmten Flusses Rauma liegt. Der Ort mit seinen 2000 Einwohnern ist auch ein beliebter Ausgangspunkt für die Fahrt über den Trollstigen. Wir lagen als einziges Schiff im Hafen, wobei „Hafen“ etwas übertrieben klingt.
Da das Wetter am Vormittag nicht all zu berauschend war lungerten wir lieber auf Deck 9 und 10 rum und widmeten uns unserer Lieblingsbeschäftigung: Buffet plündern. Gegen Mittag vertrieb allerdings die Sonne die dunklen Wolken und Jens und ich entschlossen uns, am Nachmittag einen Rundgang durch den Ort zu machen. Unser erstes Ziel konnten wir bereits vom Schiff aus sehen – die Zugkapelle.

Dabei handelt es sich um einen alten Eisenbahnwagon am Bahnhof von Åndalsnes, der im Inneren wie eine Kirche eingerichtet ist. Hier werden allerdings keine Gottesdienste abgehalten, das Ganze ist lediglich ein „Gag“ für Touristen (und die einzige „Attraktion“ neben einem großen Troll, die das Kaff zu bieten hat^^) Vom Bahnhof aus machten wir uns auf den Weg (am Troll vorbei^^) Richtung „Innenstadt“ und inspizierten die dortigen Geschäfte. Das Zentrum der Stadt (*hahahahaha*) bildet das Rathaus (großes, hässliches Teil) mit einem großen Platz davor. Ist schon irgendwie komisch, wenn man auf diesem Platz steht und auf der einen Seite das Rathaus und auf der anderen die Costa Pacifica sieht. Man meint, das Schiff liegt direkt mitten im Ort… was auch irgendwie der Fall ist.

Bei unserem Spaziergang durch den Ort fiel mir besonders auf, dass kaum Autos zu sehen waren, es aber an jeder Ecke und noch so kleinen Seitenstraße Zebrastreifen gab. Ansonsten ist Åndalsnes nichts Besonderes, die Lage am Fjord mit den hohen, grünen Bergen rings herum ist allerdings wunderschön. Ich würde hierher gerne jederzeit wieder kommen, dann allerdings einen Ausflug in die Berge buchen. Den Lacher des Tages lieferten uns unsere heiß geliebten typisch deutschen Mitpassagiere. Wir konnten beobachten, wie sich eine Gruppe dieser ganz besonderen Spezies einem Kleiderständer mit Sonderangeboten vor einem Klamottenladen näherte, zielsicher ein KARIERTES Hemd heraus zog und mit großen Augen bewunderte. Ich hätte mir beinahe in die Hosen gemacht! Anstatt Norwegerpullis, Rentierfellen oder irgendwelchem Souvenierplunder kauft sich der Deutsche in Norwegen natürlich ein kartiertes Hemd! (Okay, ein Galaabend stand ja noch bevor, da würde sich ja dann die passende Gelegenheit bieten, das neue Teil anzuziehen^^) Eine Begegnung der besonderen Art hatten wir dann noch auf dem Weg zurück zum Hafen, wir trafen nämlich den Vater aller Trolle! Das Original! Ich konnte mich gerade noch zurück halten, aber die Versuchung durch das geöffnete Seitenfenster zu greifen und den Kerl an die Nase zu packen, war verdammt groß. (Höhöhöhöhöhö!)
Nach 15 Uhr waren wir dann wieder an Bord (mitsamt unseren neuen Bechern und ohne karierte Hemden^^) und ich vertrieb mir die Zeit bis zum Abendessen auf Deck 10 in der Sonne.

An diesem Tag war „Italienischer Abend“ und wer schon mal mit Costa gefahren ist weiß was das bedeutet. Nach dem Essen gab es das volle Programm inkl. Show der Kellner (That’s amore…), Tänzchen mit den Kellnern (ohne mich, weil I don’t dance^^) und Polonaise (da war ich natürlich wieder dabei). Eigentlich kitschig und nicht wirklich notwendig, aber doch immer wieder schön. Im Anschluss ging es in die Pianobar auf ein Kippchen, danach verzog ich mich kurz auf die Kabine und hatte das erste mal auf einem Schiff ein „Kloproblem“. Anscheinend funktionierten die Toiletten auf dem gesamten Deck nicht, aber es wurde bereits emsig daran gearbeitet. (Kam der Reparaturmensch echt aus der Wandverkleidung oder hatte ich zu viel Vino beim Abendessen?^^)
Um 18 Uhr hatte die Costa Pacifica den Hafen von Åndalsnes verlassen und gegen 21.50 Uhr wurde der Lotse ausgeschifft, was ich rein zufällig life von unserem Balkon aus beobachten und natürlich auch auf zahlreichen Fotos festhalten konnte. Eigentlich wollte ich ja nur Bilder von den Bergen machen, die man urplötzlich durch den dichten Nebel erkennen konnte, aber dann wurde ich Zeuge wie sich ein kleines Boot der Pacifica näherte (Piraten??^^), festmachte und kurz darauf mitsamt Lotsen wieder im Nebel verschwand. Und überhaupt – der Nebel! Der war an diesem Abend schon ziemlich dicht und ständig hörte man das Signalhorn des Schiffes.

In der Arschbar gab Jens an diesem Abend einen Bauchtanz zum besten und ich weiß nicht so genau, ob das nicht der eigentliche Grund dafür war, dass Kotztüten verteilt wurden. Nein, Scherz beiseite, man merkte ausnahmsweise schon deutlich, dass man sich auf einem Schiff befand (besonders in der Arschbar am Heck), allerdings hatten wir da auch schon Schlimmeres erlebt. Mit ein paar Kotztüten im Gepäck ging es schließlich noch auf einen Absacker in die Disko, bevor ich mich in den Schlaf schaukeln lies.
(3)

 

Fortsetzung folgt…