Archiv für den Monat: Oktober 2008

Komivo on Tour – 4. Schwachstrom aus Saugnäpfen

Es ist 13:49 Und Klein-Komo hat sich mal wieder allein auf die Socken gemacht. Vermutlich bin ich deshalb viel zu früh und erwische einen früheren Zug als geplant. Diesmal geht es nach Augsburg und ich freue mich schon auf den Kräutergarten, von dem ich vorher gelesen habe.

Im Zug befinden sich in der Sitzgruppe neben mir zwei Mädels und unterhalten sich. Sie vermuten ich würde Musik hören, aber weil sie so laut sind habe ich den Mp3 Player abgeschalten. Die Stöpsel bleiben im Ohr und ich belausche die Beiden. Eine von ihnen ist ganz Frau von Welt und weiß sagenhafte Dinge zu berichten. Sie meint, das Kieselerde ganz bestimmt gut wirkt und hat daher immer ein paar Tabletten dabei. Es hat ihr seinerzeit mal sehr mit einem Ausschlag geholfen, deshalb schwört sie jetzt darauf. Kieselerde ist nur leider sehr teuer, gibt ihr Gegenüber zu bedenken. Aber es hilft ja, meint Dame von Welt. Außerdem empfiehlt sie Elektromassagen, bei denen Schwachstrom aus Saugnäpfen in den Körper geleitet wird. So können Rückenschmerzen ganz wunderbar behandelt werden, es kribbelt nur ganz leicht.

In Augsburg mache ich mich als gutes Christenkind erst einmal auf den Weg zum Dom und irgendwie kommt es mir so vor, als hätte Augsburg eine Abneigung gegen Ampeln. Diese kommen nämlich nur selten vor und stehen dann auch noch so ungünstig oder auch überflüssig, dass sie kaum beachtet werden. Hier gilt also noch das alte Prinzip: Wir schauen nach links, wir schauen nach rechts. Daran muss ich mich erst mal wieder gewöhnen – als steter Ampelbenutzer weiß man ja schon gar nicht mehr recht einzuschätzen, wie schnell die Autos sind. Aber ich erreiche dann doch den Dom und der ist ganz hübsch. Weil ich vorher etwas über Prophetenfenster gelesen habe, suche ich die und oute mich so als waschechter Tourist. Aber wenigstens nehme ich mir auch ein paar Minuten Zeit, um mich in eine Kirchenbank zu setzen. Gern würde ich behaupten, ich hätte da in stiller Andacht gesessen, aber das war kaum möglich. Eine Putzfrau war nämlich gerade begeistert dabei, den Altarraum zu saugen. Bei diesem Gedöhns war es etwas schwer, Erleuchtung zu erfahren.

Also mache ich mich auf zur großen Stadttour, für die man einfach nur den grünen Schildern nachjagen muss – keine Karte notwendig. Ich besuche das Brechthaus, ein schönes Antiquariat („Angy’s Haferl“, Jakoberstraße 37, sehr empfehlenswert!) und stehe dann auch endlich im Kräutergarten. Zahlreiche Arten von Minze stehen da erwartungsvoll in den Beeten und wollen von mir gekaut werden. Wer den Augsburger Kräuergarten nicht kennt: Man findet ihn in der Nähe des Roten Tors und darf dort jederzeit Kräuter für den Eigenbedarf ernten. Ein Schild mahnt aber noch, nur das Notwendigste mitzunehmen. Also knapse ich mir eine Handvoll Salbei ab, denn aus einem Salbei-Butterschwenk kann man eine wunderbare Soße für Gnocchi machen.

Später sitze ich wieder in der Innenstadt und habe den besten Zwetschgen – Streuselkuchen der Welt vor mir. Dazu eine Tasse Kaffee und mein Leben ist schön.
Etwas dreist finde ich die beiden Damen, die an mir vorbeischlendern. Eine von beiden meint zur anderen: „Den Kuchen hattest du uns ja empfohlen, da muss ich aber sagen, der war nicht gut.“
Ich widerstehe dem Impuls, eine Zwetschge nach ihr zu werfen und unterhalte mich lieber mit dem alten Herrn am Tisch neben mir. Dem hatte ich zuvor die letzte Tasse Kaffee weg geschnappt, aber er nimmt es mir kaum übel. Immerhin war es ja ein guter Vorwand, um sich mit mir zu unterhalten.

Im Jokers Restsellers kann ich nicht widerstehen und kaufe mir zwei Bücher. Mit dem im Brechthaus gekauften „Mutter Courage“ macht das nun schon drei und ich frage mich ernsthaft, ob ich nicht so etwas wie ein zwanghaftes Buchkaufverhalten habe.

Am Bahnhof hole ich mir dann noch ganz projektgetreu zwei Bier aus Augsburger Brauereien und wenig später sitze ich mit arg kaputt gelaufenen Füßen wieder im Zug.
Am selben Abend gibt es Salbeignocchi.

EHC! EHC!

Seit Wochen war der 11.10. schon fett im Kalender markiert, denn an diesem Tag sollte das erste Punktspiel des EHC Regensburg (Spiders Regensburg) in der Landesliga stattfinden. Ich selber hatte bereits das Vergnügen, den EHC live in Aktion zu erleben (damals noch in irgendeiner Dorfweiher-Liga), für meinen Mann und meine Mama sollte es das „erste Mal“ werden.

So fuhren wir also an besagtem Tag zur Donau Arena. Es ging nicht wie gewohnt über die Rampe in die Arena, sondern an der Rückseite in die Trainingshalle. (Im Gegensatz zum allmächtigen EVR bestreitet der EHC seine Spiele in der Trainingshalle) Aber zuvor mussten noch die Eintrittskarten organisiert werden und zwar beim Sohn von Mamas Chef, der seinen 16 Geburtstag lieber in einem Kassenwagen anstatt mit seiner Verwandtschaft verbringen wollte. Billig war es schon … dank des Schwerbehindertenausweises meines Gatten! Dann noch schnell eine gequalmt und mit ein paar Bekannten gequatscht und schon ging es in die Halle. Die Trainingshalle ist schon was anderes als die „Haupthalle“, da gibt es keine Sitzplätze und alles ist klein, etwas beengt und es ist arschkalt. So muss es beim Eishockey sein! Ich persönlich mag die Trainingshalle, v.a. weil man da direkt an der Bande das Spiel verfolgen kann. Es ist einfach endgeil, wenn zwischen Dir und einem Spieler, der gerade gecheckt wird, nur eine Plexiglasscheibe ist *kicher*

In der Halle trafen wir wieder auf massig bekannte Gesichter und auch Tommilein war da und gab mir (wie am Tag zuvor besprochen) sein Trikot – ich wollte einfach das Spiel nicht „nackig“ (also ohne Trikot) verfolgen und vom EHC habe ich keines (was sich aber Gerüchten zufolge an meinem Geburtstag ändern soll). Also Trikot angezogen und Bier organisiert – ich war bereit und es konnte losgehen. Vor Spielbeginn mussten wir allerdings noch mal vor die Türe raus zum Aufwärmen. Unglaublich aber wahr – ein Standardsatz des Abends war „Gehma raus, mir ist kalt“.

Der Gegner der Spiders war übrigens der EHC Straubing (also die 1B-Mannschaft des DEL-Klubs Straubing Tigers). Ganz nebenbei erwähnt spielten die Straubing Tigers am Abend zuvor gegen die Kölner Haie – ebenfalls in der Donau Arena, weil das Straubinger Eisstadion (von mir gerne als Zuckerrübenvollernter-Garage bezeichnet) derzeit aufgrund eines Brandes renoviert wird. Aus Köln angereist waren daher auch die Mitglieder des Fanclubs Spiders Colonia – sehr nette Leute!!

Irgendwann ging dann auch das Spiel los. Wir hatten uns einen schönen Platz direkt beim Bierstand ausgesucht (auf kurze Versorgungswege muss man schon achten!). Leider gab es nur die grässliche Bischofshofer Plörre zu trinken, die auch noch unverschämte 3,10 Euro kostete. Meinen ersten Lachanfall bekam ich als irgendwer laut „EHC! EHC!“ brüllte. Ähm, ja, welcher EHC war da eigentlich gemeint?? Sehr bald entdeckte ich dann auch meinen Liebling des Abends – den Porno-Schiri! Original mit längeren Haaren und Oliba und nicht nur ich war der Meinung, dass der eindeutig aussah wie ein Pornodarsteller.

Zum Spiel selber will ich gar nicht viel erzählen, Landesliga eben und am Ende stand es 1:1. Wobei, erwähnenswert ist da noch einer der Spiders-Trainer – stilecht in bayrischer Tracht – der leicht psycho wirkte wie er seine Mannschaft motivierte (das meinten jedenfalls die beiden Rüben, die neben uns standen).

Für meinen Gatten war es das erste Eishockey-Spiel seit seiner Gehirnblutung vor einem Jahr und das lange Stehen war natürlich eine große Anstrengung (auch wenn er das erst nicht zugeben wollte). Aber da kann man was dagegen unternehmen und so hat mir Tommilein nach dem Spiel versprochen, einen Barhocker zu organisieren (da kommt sogar sein Name drauf). Oder er soll sich einfach beim nächsten Mal zu den Spielern auf die Bank setzen (Idee vom Trainer^^).

Nach dem Spiel fuhr meine Mama meinen Mann nach Hause während ich noch eine Zeit lang vor der Donau Arena stand und Osser Bier (ähm ja, kannte ich bis zu diesem Abend auch nicht) für einen Euro pro Flasche trank. Dabei durfte ich auch noch einiges lernen: Köln ist gar nicht so nahe bei Dortmund wie ich dachte und in Eishockeyhosen kann man hervorragend sein Bier und seine Kippen unterbringen *kicher* (leider gibt es davon kein Foto, da der Akku meines Handys leer war *flenn*)

Später bin ich dann noch mit Tommilein in die Bowling Bahn (komisch, ich lande da irgendwie nach JEDEM Spiel), wo wir bei einem Bier den Abend ausklingen ließen.

Nun – wieder nüchtern – muss ich sagen, dass es ein wirklich toller Abend war. Wir durften ein schönes Spiel sehen, hatten viel zu lachen (v.a. über Porno-Schiri), ich musste feststellen, dass es auch nette Rüben gibt und die Leute vom EHC sind alle supernett (aber das wusste ich ja schon vorher).

Wir kommen wieder! Versprochen!

Komivo on Tour – 3. Man muss Herzaugen haben

Lydia hat ihr Physikum bestanden und das muss gefeiert werden. Deshalb fährt sie mit Lara und mir nach Bad Tölz. Wir wollen uns die Stadt anschauen und anschließend soll’s ins Alpamare gehen. Dahin dann allerdings ohne mich, weil ich nicht so der Schwimmhallenfan bin. Um 12:05 sitzen wir brav im Zug, den wir NICHT verpasst haben. Mit Lara im Gepäck ist das schon fünf Großbuchtaben wert. Ich alter Streber habe mich schon vorher über Bad Tölz informiert und viele witzige Kleinigkeiten herausgefunden. Zum Besipiel über den heiligen Florian, der am Fritzplatz als Statue mit blankem Hintern steht – Provokation für das gegenüberligende Finanzamt! Oder die Marienstatue, die aus einem Hakenkreuz gegossen wurde, nachdem die Stadt von einem Bombardement verschont blieb. Auch nicht zu verachten ist, dass es hier 22 Brauereien gibt.

In der Stadt angekommen machen wir uns auf die Suche nach dem Rosengarten, der schon mal nicht leicht zu finden ist für uns Neulinge. Grund genug für Lydia, um ein wenig poetisch zu werden: „Das Tor zum Rosengarten finden nur die, die ihn wirklich suchen. Er öffnet sich nicht jedem!“
Also suchen wir ihn reinen Herzens und sitzen dann auch bald zwischen zahlreichen duftenden Rosen in einem Pavillion. Mit Plastebechern vom IKEA und Prosecco aus dem Rewe stoßen wir auf uns und das Physikum an. Lydia hat sogar belegte Brötchen dabei.

Später gibts Fisch im Restaurant und Fußbäder an der Isar, die hier viel blauer ausschaut, als in München. Seltsam, seltsam. Wir unternehmen ein paar erbärmliche Versuche, Steinchen springen zu lassen und finden dabei viele herzförmige Kiesel, die wir auch prompt zu sammeln beginnen. NAchdem Lara sich ein paar Steine angeschaut hat, meint sie: „Man kann hier jeden Stein für ein Herz halten. Man muss nur die Herzaugen haben.“
Das klingt so bekloppt, dass Lydia und ich uns kaum halten können vor Lachen. Lara ist deshalb etwas eingeschnappt, aber nicht lange. Sie und Lydia ziehen weiter ins Spaßbad und ich schlendere noch ein wenig über den Marktplatz, bewundere die Lüftelmalerei und suche nach den berühmten Außentreppen. Davon soll es hier viele geben, weil die Häuser früher in Stockwerken vermietet wurden. Ich finde allerdings keine Holztreppen, dafür einen tollen Buchladen, aus dem ich wieder mal schwer weg zu bekommen bin. Ich bin dann aber doch sehr stolz, als ich es diesmal ohne Einkauf wieder heraus schaffe.

Ein wenig geschafft mache ich mich auf die Heimreise und bekomme daheim eine SMS von Lydia: „Bad war super, Lara hat ne Beule. Mein Körper wurde heute porentief gereinigt (alle Talgdrüsen tot) und jetzt schlafen wir in der BOB. Liebe Grüße, die 2 von den 3.“

Komivo on Tour – 2. Sonnenmilch und Kokosnuss

Es ist 12:35 Uhr und ich sitze allein im Zug nach Tegernsee. Ohne Lara klappt das zwar alles viel besser, aber es ist auch weniger unterhaltsam. Wie dem auch sei, die Sonne scheint wie verrückt und am See wird es sicher schön. Kurz bevor der Zug sich in Bewegung setzt, irrt ein altes Ehepaar durch das Abteil. Ob sie denn hier richtig sind, wollen sie wissen und eine einmalige Auskunft reicht ihnen da nicht, deshalb fragen sie lieber dreimal. Ein Herr neben mir meint: „Wenn’s nach Tergernsee wolln, könn’s bleim. Wenn’s nit nach Tergernsee wolln, könn’s a bleim, aba dann gehn’s hoid verkehrt.“ Er grinst mich dabei spöttisch an und ich weiß gleich, den hab ich gern.

Am frühen Nachmittag bin ich am Strand. Es riecht nach Sonnenmilch und Kokosnuss und in unmittelbarer Nähe meines ausgebreiteten Badehandtuchs hat sich eine amerikanische Großfamilie angesiedelt. Die kleine Tochter Mia hat panische Angst vor dem Wasser. Immer, wenn ein Boot vorbei kommt und Wellen schlägt, fängt sie an zu weinen, ganz besonders, wenn sie sieht, dass der Papa im Wasser ist. Vermutlich hat sie Angst, der könnte untergehen und so muss er immer rufen: „It’s okay, Mia! It’s okay!“ Dann dreht sich das kleine Goldlöckchen wieder zu der Sandburg um, an der sie ganz gekonnt herumbaut.

Eine Stunde später ist die American Family von dannen. Den geräumten Platz haben ein paar WGler eingenommen. Einer von ihnen hat vor ein paar Tagen eine fette Spinne aus dem Zimmer einer Mitbewohnerin entfernt. Sein Vorhaben, das Tierchen daraufhin in den Strudeln des Klos untergehen zu lassen, scheiterte allerdings. Bevor er spülen konnte, krabbelte die Spinne unter den Porzellanrand der Toilette und jetzt hockt sie immer noch da. Seitdem benutzt die komplette WG nur noch das zweite Klo.

Es ist 15:45 und neben mir schreit und weint die kleine Luise. Sie wurde von einer Ameise gebissen. Ein Junge mit Basecap steht in einigen Metern Entfernung unschlüssig da und schaut Luise an. Er ist sichtlich entsetzt, weiß aber auch gar nicht, wie er Luise helfen soll. Als ihre Eltern sie beruhigt haben, ist er erleichtert, packt seine Schwimmflügel und geht wieder ins Wasser.
Das ist allerdings so kalt, dass ich es nach zwei Versuchen aufgegeben habe, darin zu schwimmen. Länger als fünf Minuten hält man es nicht aus und aufgrund der vielen Boote kommt man ohnehin nicht weit.
Am späten Nachmittag packe ich meine Sachen zusammen und gehe. Am kleinen Bahnhofskiosk nehme ich mir noch zwei Tergernsee Spezial mit. Der Inhaber fragt mich, ob er eins davon schon aufmachen soll und ich nicke grinsend. Neben einem stillgelegten Gleis steht ein alter Lokschuppen, auf dessen Treppe ich es mir mit meinem Bier bequem mache. Die Hitze und zirpende Grillen schaffen eine westernreife Atmosphäre, also halte ich nach umherfliegenden Ginsterbüschen und Heuballen Umschau – leider vergeblich.

Trotzdem ein toller Ausflug.