Archiv für den Monat: September 2008

Komivo on Tour – 1. Beinahe Chiemsee

Um in den Semesterferien mal etwas mehr unternehmen zu können, habe ich mir das Ferienticket der Bahn gekauft. Dies ist mein Reisetagebuch.

Das Ticket ist noch ganz frisch und zusammen mit meiner guten Freundin Lara (Name geändert) habe ich eine Liste von Zielen ausgearbeitet. Wir wollen so viele wie möglich mit dem Zug bereisen und am 17. August soll es mit Prien am Chiemsee losgehen.

„Wir treffen uns um 11 Uhr am Ostbahnhof!“ erzähle ich zum wiederholten Mal, damit auch nichts schief geht. Lara nickt und geht von dannen. Am nächsten Morgen stehe ich früh auf um alles fertig zu machen. 11 Uhr Ostbahnhof, ich bin pünktlich wie ein Maurer. Aber Lara ist es nicht. Meine Augen grasen die Gleise ab und trotzdem, die rotschopfige Bohnenstange ist nirgends zu sehen. Just in dem Moment erreicht mich eine SMS: „Wir stehen an Gleis 11, wo bist du?“ Gleis 11? Es ist nicht nur das falsche Gleis, nein, es gibt auch gar kein Gleis 11. Schnell rufe ich sie an.

„Sag mal, du weißt schon, das wir uns am OSTBAHNHOF treffen?“

Nein, sie weiß es nicht und steht mit Martin und Dennis (Freunde von uns) am Hauptbahnhof herum. Eine kleine Welle von milden Beleidigungen später setze ich mich in die S Bahn zum Hauptbahnhof.

„Also, wir suchen uns einfach ein anderes Ziel aus.“ beschließen wir, nachdem ich dort angekommen bin. Gemeinsam studieren wir die Anzeigen und einigen uns schließlich auf den Ammersee. Da kann man mit der S Bahn hinfahren. Gerade meine ich, das wenigstens jetzt nichts mehr passieren kann, da stellt Lara fest: „Ich hab meine Fahrkarte gar nicht dabei. Also, ich mein, mir fehlt der ganze Geldbeutel! Ich bin grad schwarz gefahren!“ Ich bin fassungslos. „Sag mal Kind, ist das da ein Kopf auf deinem Hals?“ Sauer sein bringt gerade nicht viel. Die Jungs werden allein an den See geschickt – wir versprechen, nachzukommen. Wir Mädels fahren zurück in unser Wohnheim und holen den Geldbeutel. Lara muss natürlich schwarz fahren, aber die alte Schusselliese hat natürlich wieder Glück und wird nicht kontrolliert. Allerdings fahren wir eine Station zu weit, und das gleich zweimal. Wäre wenig tragisch, wenn nicht gerade an alen Gleisen gebaut werden würde. So kommen die Bahnen mit enormer Verspätung und erst am Nachmittag erreichen wir Herrsching am Ammersee. Ich hätte jedes Recht, wütend zu sein, aber unterwegs lästern Lara und ich so herrlich wie schon lange nicht mehr und das sorgt für gute Laune.

Als wir in Herrsching ankommen, sind die Jungs schon wieder heimgefahren, was man ihnen nicht verdenken kann. Da aber die Sonne scheint und der See so herrlich funkelt, bleiben wir da und suchen uns etwas abseits gelegen ein Stückchen Ufer aus. Lara lässt es sich in der Sonne gut gehen und ich versuche, einen nahegelegenen Steg in mein Notizheft zu zeichnen. Das Resultat ist ernüchternd und ich gehe schwimmen. Später bin auch ich in der Sonne. Wir liegen mit unseren Badetüchern so nah am Wasser, das es dann und wann herankommt um uns am Fuß zu kitzeln.

Lara hat eine schwarze Sonnenbrille aufgezogen, mit der sie aussieht wie eine Verschmelzung von Thelma und Louise. Begeistert erzählt sie mir von der Mondfinsternis, die in der vorangegangenen Nacht stattgefunden hat, von der ich aber gar nichts mitbekommen habe. Allerdings macht mich ihre Erklärung: „Eine Mondfinsternis. Wenn sich die Sonne vor den Mond schiebt.“ auch etwas stutzig, denn von plötzlichem Sonnenschein mitten in der Nacht habe ich wirklich noch nie etwas gehört. Ich lache sie und ihren Verhaspler hämisch aus und sie nimmt es mir nicht lange übel.

Auch beim späteren Wolkenschauen ist Lara mal wieder unschlagbar: „Die Wolke da schaut aus wie ein Hund. Voll wie ein Hund! Na, oder ein Rind.“

Am abend packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns auf dem Heimweg. Schöner wäre es am Chiemsee auch nicht geworden, denke ich mir.

Das erste Mal mit 16

Achtung: dieser Artikel ist sehr oberflächlich und alles andere als objektiv.

Das erste Mal mit 16.
Das ist doch eine wunderbare Umschreibung für die Tatsache dass Parteien auf Stimmfang entschieden haben bei der Nationalratswahl am 28. September 2008 auch 16- und 17-jährige „Kinder“ ihre Stimme abgeben dürfen.

Doch sind die Jugendlichen bereit?
Seit Wochen zerbrechen sich Zeitungen den Kopf darüber und es zeigte sich ein eindeutiges Bild. Weit mehr als die Hälfte der Jugendlichen in dem Alter interessiert sich nicht für Politik, hat keine Ahnung von den Zielen der Parteien oder gar den Vorsatz zur Wahlurne zu schreiten.

Zwar rufen alle Parteien die Jugendlichen auf der Wahl nachzukommen, doch anscheinend will niemand etwas gegen die Bildungslücke unternehmen.
So läuft eine Informationssendung für Jungwähler heute, an diesem Tag, um 23:30. Welcher Schüler oder Lehrling wird solange aufbleiben um einige politische Dinosaurier zu belauschen. Ich würde es nicht tun!
Ein normaler Mensch würde einfach die Sendezeit ins Hauptabendprogramm verlegen. Doch anscheinend sind CSI, Monk, Greys Anatomy, Men in Trees und so weiter wichtiger als die politische Zukunft des Landes.
Auch die zusätzlichen Schulstunden in politische Bildung werden den Jungwählern wohl kaum helfen. Denn politische Bildung wird nur an höheren Schulen unterrichtet, in den letzten Jahrgängen. Die wenigsten Schüler haben zu der Zeit noch nie die Möglichkeit gehabt zu wählen.

So muss man sich als Jungwähler auf die Parteiwerbung in den Fußgängerzonen verlassen. Diese Informationsstände sprießen vor Wahlen schließlich auf dem Boden wie Unkraut. Doch in einer von mir durchgeführten Feldstudie habe ich festgestellt das der Informationsgehalt sehr gering ist.
Die Fürsprecher einer Partei brachen das Gespräch sofort ab als ich meinen Standpunkt zu weichen Drogen einbrachte. Anscheinend fühlte sich der nette Mann mit den Rastalocken vor den Kopf gestoßen.
Ein anderes Gespräch endete mit der Aufforderung zu verschwinden. Anscheinend ist es leicht die Parteiziele auswendig aufzusagen, doch Tiefenwissen soll wohl nicht vermittelt werden. Mich hätte nur interessiert was ein Listenkandidat da gemacht hätte.
Die Liste ließe sich beliebig fortführen, denn ich habe mit den meisten der 10 Parteien, die sich dieses Mal aufstellen lassen, gesprochen. Doch die Ausbeute an Wahlgeschenken ist sehr gering. Denn außer eine Feuerzeug wurden mir entweder alle „Wahlzuckerl“ wieder entrissen oder gar keine verteilt.

Gut, ein Jungwähler würde die Fürsprecher nicht in solche Gespräche verwickeln. Wie auch? In diesem Alter interessiert man sich noch für Flatratepartys und nicht für langweilige Politik.  Und jedes Mittel den Jugendlichen ein bisschen Mittel zu vermitteln kommt wohl zu spät im Fernsehprogramm.
Aber die Gesellschaft ist eben so geworden wie ihr Fernsehprogramm – oberflächlich und beknackt, zumindest wenn man mehr im Kopf hat als Flatratepartys.

In einer Woche schreiten wir dann zu den Urnen. Die einen wählen, was sie seit 50 Jahren wählen. Die anderen wählen die, die ihre eigenen Ziele am ehesten ansprechen. Und einige 1000 Jugendliche werden wählen was Mama oder Papa ihnen vorschreiben, was ihnen grad durch den Kopf geht oder was wohl am öftesten der Fall sein wird: gar niemanden, weil sie sich gar nicht erst zum Wahllokal begeben.

Ich sehe es schon in ein paar Monaten. Wenn wieder alle jammern weil sich nicht geändert hat. Nur dann werde ich aufstehen und sagen: „Ich habe es euch ja gesagt.“

Good night, and good luck.